So war und ist WasserlieschWenn Sie mehr über Wasserliesch, seine spannende Geschichte und über die nähere Umgebung erfahren wollen, sind Sie auf dieser Seite richtig. Wählen Sie unter den nachfolgenden Themen: Wasserliesch - älter als tausend Jahre Die Mosel, Fluss der Geschichte Von der Burg und Herrschaft zu Reinig 350 Jahre Schulunterricht in Wasserliesch Das Quartier Granahöhe - ein französisches Militärlager Die Granahöhe - Schauplatz einer großen Schlacht Wasserliesch war lange ein "Eisenbahnerdorf"
Wasserliesch - älter als tausend Jahre
Wenn Sie Wasserliesch besuchen, werden Sie hier als interessierter Gast mancherorts auf Zeugnisse einer großen Vergangenheit stoßen. Sie reichen bis zur Zeitenwende zurück, als die Römer Gallien und so auch das Trierer Land eroberten. Bevor Wasserliesch im Jahr 1975 sein tausendjähriges Bestehen feierte, war es erstmals gelungen, das Alter des Ortes nachzuweisen. Unter anderem fanden sich im Güterverzeichnis des ehemaligen Klosters St. Martin zu Trier aus dem Jahr 975 Aufzeichnungen über Besitzungen in den Orten „luische et riniche" - (Wasser-)Liesch und Reinig (heute Ortsteil von Wasserliesch). Doch die beiden Orte sind - mindestens als Siedlungsorte - in Wirklichkeit noch sehr viel älter; Funde belegen, dass das Moseltal hier schon zur Jungsteinzeit besiedelt war.
Dass die Ortsgeschichte weit zurückreicht, beweist auch die Anbindung an die historischen Verkehrswege. Reste der von den Römern gebauten Fernstraße von Metz über Thionville, Tawern und Konz nach Trier sind auf der Gemarkung Wasserliesch gefunden worden. Von dieser Straße hat es mit großer Wahrscheinlichkeit eine Abzweigung gegeben, die zur Moselfähre und zur Furt durch die Mosel im Ortsteil Reinig führte. Ebenso ist die Mosel schon in vorgeschichtlicher Zeit und danach von den Römern sowie auch von den Herren der nachfolgenden Jahrhunderte mit Schiffen als Verkehrsweg genutzt worden. Zur Zeitenwende bewohnten die Treverer das Trierer Land, zu dem die Bewohner von Wasserliesch und Reinig gehörten. Sie waren einer der mächtigsten Volksstämme der Gallier in der römischen Provinz "Gallia Belgica" und im Gebiet zwischen Maas und Rhein heimisch. Schon um 1200 v. Chr. besiedelten sie nachweislich das Eifel-Mosel-Gebiet. Ihre Hauptort war Trier, von den Römern "Augusta Treverorum" (die Augustusstadt der Treverer) genannt; der Römische Kaiser Augustus hatte das „römische Trier" im Jahre 10 vor Chr. als völlig neue Stadt gegründet. Die Treverer waren ein kriegerischer Volksstamm, der sich nur widerwillig der römischen Herrschaft unterordnete. Der legendäre römische Feldherr und spätere römische Kaiser Gaius Julius Caesar erwähnt die Teverer in seinem Werk "De bello Gallico" (Über den gallischen Krieg). Dieser Krieg dauerte von 58 vor bis 51 nach Chr. fast 100 Jahre lang. Während dieser Zeit kam es in den Jahren 30 bis 29 vor Chr. zu einem großen Aufstand gegen die römische Herrschaft, den der römische Feldherr Nonius Gallius niederschlug. Einen weiteren fehlgeschlagenen Aufstand lieferten die Treverer den Römern im Jahre 21 nach Chr.; danach wehrten sie sich noch einmal mit dem ebenfalls in die Geschichte eingegangenen "Bataveraufstand" der Jahre 68 bis 70 nach Chr. Erst danach hatten die Römer die Treverer endgültig besiegt und in ihr Reich eingegliedert.
Die Mosel - für Wasserliesch ein „Fluss der Geschichte"„Herzlich willkommen am Fluss der Geschichte", so begrüßen wir Sie als gern gesehenen Gast in unserer Gemeinde - und sei es auch nur virtuell, wenn Sie die Homepage „www.wasserliesch.de" aufrufen.
„Fluss der Geschichte" war und ist die Mosel für uns in vielerlei Hinsicht. Als Schifffahrtsweg seit Urzeiten genutzt, ab dem Jahr 1964 sogar als Großschifffahrtsstraße, hat die Mosel unsere Gemeinde über zwei Jahrtausende hinweg mit geprägt. Früher regelmäßig vom Hochwasser heimgesucht, wussten die in Flussnähe lebenden Menschen ein Lied von davon zu singen. Dass das heute nach dem Bau einer Umgehungsstraße mit Uferschutzdamm anders geworden ist, lässt die Erinnerung daran mehr und mehr verblassen. Mit der in früheren Zeiten intensiver als heute betriebenen Fischerei, der heute nur noch die Sportfischer nachgehen und nicht zuletzt durch die heimische Binnenschifffahrt war der Fluss auch Ernährer und Arbeitgeber. Bevor die Schiffe mit Motorkraft fuhren, wurden sie stromaufwärts „getreidelt". Man zog sie vom Lein- oder Treidelpfad aus mit bis zu zehn Pferden, aber auch mit Menschenkraft. Heute dienen die Treidelpfade als Rad- und Fußwege. Aber man beförderte nicht nur Güter auf der Mosel, sondern auch Personen. Stromabwärts dauerte die Fahrt von Trier nach Koblenz früher zwei Tage. Ab dem frühen 19. Jahrhundert wurden recht komfortabel ausgestattete Kabinenschiffe eingesetzt. Dann übernahmen Dampfschiffe, die bis zu 1000 Personen befördern konnten. Der Gütertransport mit Treidelschiffen kam nach dem Bau der Eisenbahnen ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach und nach zum Erliegen, wurde in geringerem Umfang aber noch bis ins 20. Jahrhundert hinein praktiziert. Nicht erst seit ihrem Ausbau ist die Mosel eine (Groß-)Wasserstraße, sie war es eigentlich immer schon. Einer von vielen Belegen dafür ist das von den Römern gebaute "Neumagener Weinschiff", das als Steinrelief im Rheinischen Landesmuseum zu Trier ausgestellt ist. Es beweist, dass die Römer an der Mosel nicht nur Wein anbauten, sondern ihn auch mit Schiffen auf der Mosel transportierten - aber nicht nur den Wein, sondern auch andere Güter und nicht selten Rüstungsmaterial. Ein Relief an der zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörenden „Igeler Säule", dem Grabmal einer reichen römischen Tuchhändlerfamilie im Zentrum des am gegenüberliegenden Moselufer gelegenen Ortes Igel , belegt die historische Treidelschifffahrt.
Schon sehr früh gab es auch eine Fährverbindung über die Mosel; später sorgten zwei Fähren für die Flussüberquerung. Die eine stellte in Höhe der Wasserliescher Pfarrkirche eine Verbindung mit einem Nachen zum anderen Ufer her und ermöglichte so das Bewirtschaften der Weinberge jenseits der Mosel. Nicht lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Fährverbindung eingestellt, weil sie nicht mehr gebraucht wurde. Die andere Fähre verband den Ortsteil Reinig mit Igel. Auch hier war das Übersetzen mithilfe eines Nachens möglich, der entweder durch Rudern oder durch Staken recht mühsam zum anderen Ufer übersetzen musste; parallel dazu gab es eine "Pont", mit der auch Fahrzeuge den Fluss überqueren konnten. Der Ausbau der Mosel führte dazu, dass schließlich auch die Reiniger Fähre ihren Betrieb einstellen musste.Eine Symbolfigur des Reiniger Fährmannes können Sie auf dem Wasserliescher Marktplatz sehen. Heute fahren Ausflugsschiffe auf Mosel und Saar; die nächstliegenden Anlegestellen finden Sie moselabwärts in der Nachbarstadt Konz unweit der Saarmündung sowie in Trier und stromaufwärts in den luxemburgischen Moselorten Wasserbillig und Grevenmacher. (weitere Infos über die Mosel)
Eine römische Villa in Wasserliesch? Im Zentrum des römischen Vicus „Lusica" - so oder ähnlich hieß Wasserliesch zur Römerzeit - stand 200 bis 300 Jahre lang ein römisches Landhaus, eine Villa Rustica. An sie erinnert der Marktbrunnen mit den drei Sandsteinsäulen, die den korinthischen Säulen der römischen Villa nachempfunden sind. Die Villa wurde wahrscheinlich im 2. Jh. n. Chr. erbaut und ist während der Kriegswirren der Völkerwanderung zerstört worden.
Die Existenz einer römischen Villa offenbarte sich erstmals im Jahr 1857 bei Bauarbeiten zur Erweiterung des alten Friedhofes, der auf einer niedrigen Anhöhe im Bereich des heutigen Marktplatzes um die frühere Wasserliescher Pfarrkirche herum angelegt war. Schon vorher hatte man dort immer wieder Dach- und Mauerziegel, Mauerwerk, Mörtelreste und Wandverputz aus römischer Zeit gefunden, diese Dinge aber nicht zuordnen können. So wusste bis dato niemand von der Existenz der römischen Villa. Die zu Tage getretenen Überreste gehörten zu einer Badeanlage, die Teil des Wohntraktes der römischen Villa war. Bis zum Bau eines neuen Friedhofes in den 1960er Jahren bestattete die Gemeinde ihre Toten in und zwischen den Mauerwerksresten der römischen Villa, so wie sie es zuvor schon Jahrhunderte lang getan hatte. Weil man den Friedhof weiter nutzen musste, war eine archäologische Nachgrabung und Untersuchung der römischen Baureste im Jahr 1857 nur in dem Bereich, der als neuer Friedhofsteil vorgesehen war, möglich. Die Baureste erhielten die Arbeiter als Arbeitslohn; sie verwendeten sie als Baumaterial für ein Wohnhaus. Beim Bau der Eisenbahnstrecke von Trier nach Metz in den Jahren 1876 bis 1878 und rund 20 Jahre später beim Anlegen einer Straßenunterführung am Haltepunkt Wasserliesch unter der Bahnstrecke hindurch stieß man erneut auf Teile und Ausstattungsgegenstände der römischen Badeanlage und zerstörte sie dabei. So sind auch noch nach der Entdeckung der Villa Teile zerstört oder beschädigt worden. Als die Gemeinde den alten Friedhof im Jahr 1983 abtragen ließ, kamen erneut umfangreiche Baureste des römischen Bades und des Herrenhauses der Villa mit einem diagonal darunter verlaufenden Entwässerungskanal ans Tageslicht. Die früher auf dem Friedhofshügel stehende alte Kirche war schon in den Jahren 1920 bis 1930 abgebaut worden. Archäologen des Rheinischen Landesmuseums Trier konnten einen Teil der neuen Funde freilegen, allerdings erst, nachdem Baumaschinen einen großen Teil davon zerstört hatten. Zur Konservierung deckte man die erfassten Teile mit einer etwa 50 cm hohen Erdschicht ab. Der freibleibende Platz wurde unter Einbeziehung des Straßenbereichs neu gestaltet; er dient heute als Veranstaltungsplatz für Dorffeste und bietet einige Parkflächen für Gäste. Die Überreste der römischen Villa Rustica Wasserliesch verbergen sich in dem Erdhügel zwischen einer niedrigen Sandsteinmauer und der Eisenbahn. Ein Teil des Abwasserkanals der Villa ist mit einer offenen Bühne und einem Ausstellungsraum, in dem ein Diorama der „Schlacht an der Konzer Brücke" des Jahres 1675 ausgestellt ist, überbaut. Das Kanalende mündet in einem Pavillon, aus dessen Rückwand das als Brunnen gestaltete letzte Teilstück der Abwasserrinne hervortritt. Aber wie hatte es im Jahr 1983 zu einer neuerlichen Zerstörung von Anlageteilen kommen können, wo doch jeder von der Existenz römischer Baureste im Untergrund Kenntnis hatte? Lesen Sie dazu hier mehr.
Von der Burg und Herrschaft zu Reinig Kennen Sie Reinig? - vermutlich nicht. In einem Ortsverzeichnis werden sie den Ort auch kaum finden. Reinig ist heute Ortsteil von Wasserliesch. Der bis 1934 eigenständige Ort hatte jedoch in den vergangenen Jahrhunderten in mancherlei Hinsicht eine gewisse Bedeutung. Kirchlich wie herrschaftlich ist Reinig seit mindestens 1000 Jahren mit Wasserliesch verbunden. Mit einer Furt und einer Fähre zum Überqueren der Mosel zum gegenüber liegenden Ort Igel dürfte der Ort schon in vorgeschichtlicher Zeit bekannt gewesen sein. Den Flussübergang nutzten auch die Römer, denn man fand auf Gemeindegebiet Überreste der römischen Fernstraße, die von Metz und Thionville über den Saargau und Tawern herunter kommend zur Konzer Saarbrücke und weiter nach Trier führte. Eine Abzweigung zur Furt und Fähre in Reinig dürfte als Querverbindung zu der auf der anderen Moselseite verlaufenden Römerstraße Trier - Reims genutzt worden sein.
Reinig besitzt noch einige alte Häuser in verwinkelten Gassen. Wertvolle Kulturdenkmäler belegen die weit in die Vergangenheit zurückreichende Ortsgeschichte. Zu ihnen gehören ein imposantes zweiteiliges·Wegekreuz am historischen Ortseingang, das so genannte „ Reiniger Kreuz", mit der Jahreszahl 1800. Etwa 100 m davon zum Moselufer hin steht die „Reiniger Kapelle" aus dem Jahre 1806; vermutlich ist sie aber viel älter. Über dem Eingang steht in einer Nische eine Nikolausfigur - St. Nikolaus gilt als Schutzpatron der Schiffsleute. Die Bewohner von Reinig hatten ihre Kapelle als "Oratorium für das gemeinsame Gebet des heiligen Rosenkranzes" errichtet. Ein noch älteres Kulturzeugnis ist das „Schifferkreuz", das unweit des ehemaligen Fähranlegers am unteren Ende der Reinigerstraße aufgestellt ist; es ist irgendwann aus den Teilen zweier Bildstöcke zusammengesetzt worden. Der obere Teil enthält das Relief einer Kreuzigungsgruppe und die Jahreszahl 1661, der untere, offenbar jüngere, die Jahreszahl 1734, ebenfalls mit einem Relief des heiligen Nikolaus. Seit dem frühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein war Reinig Sitz einer Grundherrschaft, die am Moselufer in einer „Burg" residierte - zu sehen ist davon leider nichts mehr. Zu der Burg gehörten das damals übliche Grund- und Mittelgericht mit einem Meier (Verwalter) und Schöffen (Gemeinderäte). Der Herrschaftsbereich Reinig umfasste bis 1569 auch die umliegenden Ortschaften Wasserliesch, Könen (heute Stadtteil von Konz), Liersberg (heute Ortsteil von Igel) und Igel selst, später auch Grevenich (heute Ortsteil von Langsur).
Von der Burg, die keine Burg im eigentlichen Sinn, sondern ein kleines befestigtes Schloss gewesen ist, blieb nur der Flur- und Straßenname „Auf der Burg" erhalten. Allerdings stieß man bei Bauarbeiten in diesem Bereich immer wieder mal auf Überreste, so auch im Jahre 1912, als man beim Bau eines Wohnhauses Fragmente eines Torbogens mit dem Wappen der letzten Herrschaft, der Lothringer Grafen zu Crichingen und Pittingen, fand. Leider sind auch diese Bruchstücke nicht erhalten geblieben; sie sollen, wohl um Schwierigkeiten mit den Denkmalschutzbehörden zu vermeiden, in die Mosel versenkt worden sein. Dem Abt des Trierer Klosters St. Maximin gehörte Jahrhunderte lang der vierte Teil der Einkünfte des „Schlosses und der Herrlichkeit" zu Reinig. Neben Einnahmen aus Landwirtschaft und Weinbau sowie dem „Zehnten" und den Einnahmen der Fähre dürfte es sich um Schiffszoll gehandelt haben. Verbrieft ist, dass der Trierer Erzbischof Boemund II. (1354 -1362) von Saarbrücken Mitte des 14. Jahrhunderts in Reinig Zoll von vorbeifahrenden Schiffen erheben ließ. Im Jahre 1440 soll das Reiniger Schloss während der so genannten „Manderscheid'chen Fehde", die die Stadt Trier in arge Bedrängnis gebracht hatte, eine Rolle gespielt haben. Graf Ulrich von Manderscheid hatte damals versucht, den Anspruch auf den Trierer Bischofssitz mit Waffengewalt durchzusetzen. Als er sich zu diesem Zweck in dem „Schlösschen zu Reinig" festsetzen und es als Stützpunkt nutzen wollte, beabsichtigte die Stadt Trier, es zerstören zu lassen. Die Stadtväter ließen jedoch davon ab, nachdem sich ein wohlhabender Bürger der Stadt Trier, Peter von Coene, für das Schlösschen und seinen damaligen Herrn verbürgte. Er verlor seinen Besitz an die Stadt, als Ulrich von Manderscheid sein Vorhaben - wenn auch erfolglos - in die Tat umsetzte. Dennoch ist das Schlösschen später, vermutlich während des 30jährigen Krieges, zerstört worden. In der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts geriet die Herrschaft zu Reinig während des Dreißigjährigen Krieges in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Franz Ernst, Graf zu Crichingen, Freiherr zu Pittingen, Domkustos zu Trier, verpfändete im Jahre 1634 die ihm gehörende Herrschaft Reinig zusammen mit den Luxemburger Herrschaften Rosport und Pittingen für 7000 Reichstaler an das damalige Kartäuserkloster St. Alban zu Trier; es übersiedelte später nach Konz und hieß dort „Kloster St. Bruno". Doch er und seine Nachfolger konnten das Pfand nicht mehr einlösen, sodass der Besitz Ende des 18. Jahrhunderts an das Kloster fiel. Wann und vom wem das Schloss in Reinig erbaut wurde und wie lange es letztendlich gestanden hat, weiß niemand. Im Verlauf des 30jährigen Krieges ist das Gebäude jedenfalls zerstört gewesen. Im Jahr 1759 lautet ein Eintrag im Inventurverzeichnis des Klosters St. Bruno von 1759 wie folgt: „... item das gräfliche Schlohs Reinig ist schon anno 1631, vor der Zeit, eh die Carthaus die pfandschaft übernommen, völlig ruiniert und verfallen gewesen, ist an ahenitzo eine schlechte bauernhütte daselbst mit einem garthen". Der herrschaftliche Reiniger Besitz existierte aber noch bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Pfarrkirche St. AperSie bildet schon einen besonderen Blickpunkt in der Landschaft, unsere Pfarrkirche mit ihrer dreifach gebrochenen spätbarocken Turmhaube, die sich von den Kirchtürmen unserer Region in so markanter Weise abhebt. Längst ist sie zum Wahrzeichen des Ortes geworden. Als einzige in Deutschland besitzt sie das Patronat des lothringischen Bischofs und Bekenners "Aper", teilt es jedoch mit 45 Pfarreien in Lothringen. St. Aper war von 500 bis 507 der 7. Bischof des damaligen Bistums Toul.
Nicht nur die Kirchturmhaube, sondern auch die Kirche selbst bildet in bautechnischer Hinsicht eine Besonderheit, die weit und breit ihresgleichen sucht: wegen ihrer besonderen Bauweise und ihrer für eine Dorfkirche außergewöhnlichen Größe steht sie unter Denkmalschutz. Im Jahr 1910 erbaute sie der überregional bekannte Architekt und Kirchenbaumeister Peter Marx aus Trier als dreischiffige neobarocke Hallenkirche. Er setzte für den mittleren Teil erstmals „Eisenbeton“ ein, wie man damals den Stahlbeton nannte. Mithilfe dieses neuen Baustoffes konnte Marx das Mittelschiff mit einem oval geformten Kuppelgewölbe von großer Spannweite überdecken, das im Eingangs- und Chorbereich in ein Tonnengewölbe übergeht. Die Verwendung von eisenbewehrtem Beton war damals für einen Sakralbau völlig neu und außergewöhnlich. Er erlaubte eine von den bis dahin üblichen historischen Baustilen völlig losgelöste Bauweise. Gleichwohl werden einige Bauelemente und Ausstattungsgegenstände, darunter der linke Seitenaltar, die Beichtstühle und der ältere·Teil der Bestuhlung dem Neobarock zugeordnet. Architektonisch bemerkenswert ist auch das große nach Südwesten gerichtete 7teilige Rundbogenfenster über dem Haupteingang oberhalb der Orgelempore, das vor allem bei Sonnenschein den Innenraum in ein besonderes Licht taucht. Während des zweiten Weltkrieges trug die Kirche infolge Artilleriebeschusses erhebliche Schäden davon. Dabei wurden die großen kunstvoll gestalteten Bleiglasfenster zerstört und konnten nach dem Kriege nicht mehr ersetzt werden.
Die Kirche besitzt einen wertvollen Rokoko-Hochaltar, der in den Seitenschiffen von zwei Seitenaltären flankiert wird. Er stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, bis 1900 stand er in der Michaeliskapelle zu Wetzlar. Der Altaraufbau wird von einer sehr guten Nachbildung des Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren beherrscht, eines seiner berühmten Madonnenbilder; das Original befindet sich im Innsbrucker Dom St. Peter. Das spätgotische wuchtige Taufbecken mit der Jahreszahl 1556 aus der im Jahre 1920 abgerissenen spätgotischen Kirche, die im Bereich des Marktplatzes stand, ist ein beachtenswertes Kunstwerk des sakralen Steinmetzhandwerks. Sehenswert im Kircheninneren sind auch die beiden großen Wandgemälde an den Seitenwänden des Chorraumes mit Szenen aus dem Alten Testament, ferner die Madonna mit der Birne in einer Nische an der Ostseite, eine seltene Art der Mariendarstellung. In den beiden rückwärtigen Nischen neben dem Haupteingang befindet sich eine Piéta und eine kunstvoll gestaltete Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen des 1. Weltkrieges. (mehr Infos)
Die Pfarrei St. Aper Die katholische Pfarrei St. Aper hat das kirchliche Leben der Gemeinde Wasserliesch wesentlich mitgeprägt, mehr noch, sie ist Teil der mehr als tausendjährigen Ortsgeschichte. Ungewöhnlich ist das nicht, denn bis zur Säkularisation, der Trennung von Kirche und Staat als Folge der französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts, bildeten Kirchen- und Zivilgemeinde wie auch anderswo eine Einheit. Viele kirchliche Einrichtungen der Stadt Trier, darunter die Klöster St. Maximin, St. Martin, das St. Simeonstift und andere erwarben oder unterhielten früher Besitztümer in Wasserliesch und in dem heutigen Ortsteil Reinig. Diese sind offensichtlich lukrativ gewesen, denn selbst "Ihro Hochfürstliche Durchlaucht und Gnaden zu Trier", also der Trierer Erzbischof und Kurfürst, unterhielt Besitz in beiden Orten. Von den Besitzverhältnissen ausgehend kann man unterstellen, dass es schon um das Jahr 1000 eine Pfarrei mit einem Pfarrer in Wasserliesch gegeben hat. Das Recht, eine Pfarrei einzurichten und den Pfarrer zu bestimmen, stand aber nicht den kirchlichen Organisationen, sondern den weltlichen Herren zu, die bis ins 16. Jahrhundert in der Burg zu Reinig residierten. Eine eigene Kirche hat es in Wasserliesch im Bereich des heutigen Marktplatzes wahrscheinlich ebenfalls schon um die erste Jahrtausendwende unserer Zeitrechnung gegeben. Sie stand auf den Überresten einer römischen Villa, die man bei der Erweiterung des alten Friedhofes im Jahre 1857 erstmals entdeckte. Nachdem die alte Kirche zu klein geworden war, errichteten die Wasserliescher und Reiniger Bürger im Jahre 1910 die heutige Pfarrkirche, die in den Jahren 2010 und 2011 ihr hundertjähriges Jubiläum feiern konnte. Wenn Sie weitere interessante Einzelheiten zur Pfarreiengeschichte erfahren wollen, klicken Sie auf diesen Link: (mehr Infos)
Die Granahöhe – Schauplatz einer großen Schlacht·Es ist eher selten, dass ein Ort wie Wasserliesch einmal Weltgeschichte geschrieben hat. Tatsächlich hat ein kriegerisches Ereignis, die so genannte "Schlacht bei der Conzer Brück”, die in unmittelbarer Nähe des heutigen Ortsteils Reinig unterhalb einer niedrigen Anhöhe, der so genannten "Granahöhe", teilweise auch auf Wasserliescher Gemeindegebiet stattfand, Eingang in die Geschichtsbücher gefunden, und das kam so:
Am 2. August 1675 begannen die kaiserlichen Verbände mit insgesamt 23 000 Mann die Stadt Trier einzuschließen. Daraufhin setzte Ludwig XIV. ein 15 000 Mann starkes Heer von Lothringen aus in Marsch. So kam es am 11. August 1675 in der Talniederung unweit der Saarmündung zwischen dem Ortsteil Reinig und der Konzer Brücke über die Saar hinweg zur Konfrontation mit den kaiserlichen Truppen. In dieser Schlacht konnten die kaiserlichen Verbände die Franzosen vernichtend schlagen. 2000 Mann fielen, 1600 gerieten in Gefangenschaft. Neben 80 Fahnen und Standarten erbeuteten die kaiserlichen Truppen alle 11 Kanonen und 200 Wagen des Gegners mit Versorgungsgütern. Die Gefallenen sollen oberhalb der Granahöhe auf einer etwas höher gelegenen Terrasse des Berghanges des "Liescher Berges" in der Gemarkung "Auf der Kerrichhof" (auf dem Kirchhof) begraben worden sein. Mit entscheidend für den Sieg war die Heerführung des aus Genua stammenden Generalmajors Otto Heinrich Marchese de Savone Caretto de Grana, der den "rechten Flügel" der kaiserlichen Truppen von der strategisch günstig gelegenen Granahöhe an der Ostflanke des Liescher Berges aus einsetzte. Zum Gedenken an den Sieg setzte man General Grana im Jahr 1892 auf der Granahöhe das "Granadenkmal", dessen Inschriften an die siegreiche Schlacht erinnern. (mehr Infos) Die Kriegergedenkstätte im WaldWenn Sie gerne wandern und auf dem Kultur- und Orchideenweg Wasserliesch, vom Ausgangspunkt am Tennisplatz herkommend, den "Liescher Berg" hinaufgehen, treffen Sie auf halber Berghöhe im Wald, dem wegen seiner rundlichen Form so genannten „Kopf“, auf eine Kriegergedenkstätte aus dem Ersten Weltkrieg. Das Ehrenmal steht unmittelbar neben einer Felswand, dem historischen „Kartäuser Steinbruch“, geschützt von einer niedrigen Stützmauer mit einem einfachen steinernen Kreuz darauf. Im Gegensatz zu den meisten Gedenkstätten dieser Art ist es recht bescheiden aus Natursteinen gemauert, die einen behauenen Sandsteinblock einfassen. Darauf steht ein Tatzenkreuz, wie man es häufig auf oder an Kriegerehrenmalen und -gedenkstätten findet. In den Gedenkstein ist der Spruch eingemeißelt:
Reinig, heute Ortsteil von Wasserliesch, nennt die Inschrift zusammen mit Wasserliesch und Igel, weil es damals noch selbstständige Gemeinde war. In die Rückseite des Ehrenmals ist ein oben halbrunder Stein eingesetzt, der von einem anderen, älteren Ehrenmal stammen könnte; vielleicht hat es einmal an eben dieser Stelle gestanden. Sein oberer Teil trägt ein eingemeißeltes Tatzenkreuz. Darunter steht die Schrift „P.B.21.“ für „Pionierbatallion 21“ und die Jahreszahl „1915“, daneben ein Herz, in dem das Christusmonogramm „JHS“ bereits stark verwittert ist. Der halbrunde Stein war offensichtlich in zwei Teile zerbrochen, bevor man ihn in das Ehrenmal einsetzte. Das Ehrenmal ist in der ersten Jahreshälfte des Jahres 1915 errichtet und am 9. Mai desselben Jahres feierlich eingesegnet worden. Es fällt auf, dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt erst begonnen hatte, in den restlichen Kriegsjahren sind noch viele weitere Soldaten gefallen. Üblicherweise errichtet man den Gefallenen ein Ehrenmal doch erst nach Kriegsende. Aber aus welchem Grund hatte man ausgerechnet diesen Standort gewählt? Etwas ungewöhnlich ist es ja schon, ein Kriegerehrenmal in freier Natur recht einsam im Wald aufzurichten. Man findet es eher auf dem Friedhof, einem Platz im Ort oder wenigstens dort, wo die Menschen, an deren Angehörige es erinnern soll, wohnen. Der Grund ist nicht bekannt. Es kann aber sein, dass es hier an dieser Stelle schon vorher eine Gedenkstätte aus früheren Kriegen, beispielsweise aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, mit dem in die Rückseite eingesetzten Gedenkstein gegeben hat. Auch die Frage, weshalb man das Ehrenmal drei Jahre vor dem Ende des Ersten Weltkrieges, der ja erst 1918 zu Ende ging, hier aufstellte, ist nicht einfach zu beantworten. Möglicherweise veranlasste die zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Deutschland allgemein herrschende Siegeseuphorie die Erbauer dazu, das Ehrenmal lange vor Kriegsende aufzustellen. Die Initiative dazu soll aber nicht von den Einwohnern ausgegangen sein, sondern von einer hier stationierten deutschen Pioniereinheit, dem Pionierbatallion 21 aus Mainz-Kastel. Eine solche Einheit ist bereits am 7. August 1914 mit etwa 110 Soldaten in Igel, Wasserliesch und Reinig eingerückt und bei den Bewohnern einquartiert worden. Sie hatte den Auftrag, eine hölzerne Pionierbrücke zwischen Reinig und Igel über die Mosel hinweg zu errichten, sie zu bewachen und für die Truppenbewegungen und den Nachschub verfügbar zu halten. Während der Stationierung entwickelten sich vielfältige Kontakte zwischen den Pionieren und den Familien, bei denen sie einquartiert waren. Auf Grund des engen und freundschaftlichen Verhältnisses zur Bevölkerung, das sich ergeben hatte, und als Dank für die freundliche Aufnahme, sollen die Pioniere beschlossen haben, den Gefallenen der drei Gemeinden ein Ehrenmal zu errichten. Bleibt noch nachzutragen, dass man am 9. Mai 1915 nach der Feier zur Einsegnung des Ehrenmals einen Maikranz band und ihn mit Musikbegleitung durch Reinig und Wasserliesch trug; möglicherweise handelte es sich dabei auch um eine Art Siegesfeier.·Aus der Einweihungsfeier am 9. Mai 1915 entwickelte sich ein schöner Brauch, der noch über den Zweiten Weltkrieg hinaus hier praktiziert wurde: Jedes Jahr am ersten Mai spielten Bläser bei Tagesanbruch im „Kopf“ vor dem Ehrenmal das „Lied vom guten Kameraden“, dessen Klänge dann der Wind aus dem Wald heraus über Reinig hinwegtrug. (mehr Infos)
Ein einsames Soldatengrab·
Im Jahre 1945, während der letzten Tage des Zweiten Weltkrieges, kam es auf und um den Liescher Berg herum zu Kampfhandlungen. Auf der Höhe des Berges hatte sich eine deutsche Flakeinheit zur Abwehr feindlicher Luftangriffe festgesetzt. Ihr gehörte auch der Obergefreite Franz Krömer aus dem oberschlesischen Oppeln, dem heute polnischen Opole, an. Als die amerikanische Infanterie von Südwesten her die Stellung dieser Einheit angriff, entwickelten sich auf dem Liescher Berg und an seinen Hängen heftige Kämpfe, in deren Verlauf Granatwerfer eingesetzt wurden. Etwa 100 m vom Kriegerehrenmal entfernt schlug am 21.2.1945 eine Granate ein, tötete Krömer und verwundete zwei weitere deutsche Soldaten schwer. Die Wasserliescher Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt, bis auf einige Wenige, evakuiert. Zwei der im Dorf zurückgebliebenen Männer fanden den Toten und die beiden Verwundeten im Wald. Nachdem sie die Verletzten mithilfe anderer versorgt und ins Dorf geschafft hatten, bestatteten sie den Toten unmittelbar neben dem Ehrenmal. „In Pferdedecken eingehüllt senkte man ihn in die Erde und gab ihm den Schaft des Karabiners und zwei Handgranaten mit“ - so der Bericht in der „Chronik Wasserliesch“. Ein einfaches Birkenkreuz schmückte zunächst die Grabstätte. Es wurde später durch ein Holzkreuz mit dem Namen des Toten ersetzt. Heute erinnert einer der Gedenksteine des kleinen Ehrenfriedhofs hinter der Wasserliescher Friedhofskapelle an das Soldatengrab. Eine alte Felsinschrift
Gleich neben dem Kriegerehrenmal können Sie als aufmerksamer Wanderer eine über 300 Jahre alte Felsinschrift in der Felswand des ehemaligen Kartäuser Steinbruches sehen. Die Inschrift befasst sich mit dem, was die Steinbrecher im 17. und 18. Jahrhundert ebenso wie die Arbeiter heute beschäftigt haben dürfte, nämlich mit ihrem täglichen Getränk, das was damals der Wein. Offensichtlich war ihnen der Preis dafür besonders wichtig. Aber was wollten sie mit dieser seltsamen Botschaft an die Nachwelt bezwecken? (mehr Infos)
Ein altes Römerlager
Im Natur- und Orchideengebiet „Perfeist“ auf der Höhe des Liescher Berges, weitgehend von Bäumen und Sträuchern überwuchert, gibt es umfangreiche Überreste eines alten Militärlagers, das vermutlich im 2. oder 3. Jahrhundert von römischen Legionären errichtet worden und dann verfallen ist. Die ausgedehnte Anlage, 94 m lang und 47 m breit, war mit Steinwällen und Gräben nach allen vier Seiten, ebenso wie durch ihre Lage an der nach drei Seiten hin steil abfallenden Bergkante hervorragend gesichert. Archäologische Grabungen in den Jahren 1853, 1896 und 1973/74 brachten nur wenige Erkenntnisse über Zweck und Nutzung des Lagers. Der Sage nach soll die Anlage eine Niederlassung der Tempelherren gewesen sein; der Volksmund nennt das Gebiet „Klostergarten“, was auf eine solche Nutzung hindeutet; Nachweise dafür gibt es jedoch nicht. (mehr Infos)
Die Wasserliescher Juden Wie in vielen anderen Gemeinwesen in Deutschland prägte das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger die Ortsgeschichte von Wasserliesch mit. Juden wohnten in Wasserliesch und Reinig bereits im frühen 19. Jahrhundert, vermutlich aber auch schon früher. Als Glaubensgemeinschaft gehörten sie später der jüdischen Gemeinde des rund drei Kilometer entfernt gelegenen Nachbarortes Könen an, der heute Stadtteil von Konz ist. Dort besaß die jüdische Gemeinde eine eigene Schule, einen im Jahre 1855 angelegten jüdischen Friedhof und eine 1905 erbaute Synagoge. Im Jahre 1840 gab es in Reinig 4 Juden, 1895 waren es in Wasserliesch und Reinig zusammen 12. Das änderte sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht wesentlich. Erst die Ereignisse der "Reichspogromnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 leitete eine Entwicklung ein, die zuletzt keinen einzigen jüdischen Mitbürger übrig ließ. Im Zusammenleben zwischen nichtjüdischen und jüdischen Einwohnern gab es bis zum Beginn der Judenverfolgung durch den Nationalsozialismus keinerlei Probleme. Sie waren in die Dorfgemeinschaft integriert und gingen, wie jedermann, ihrer Arbeit nach. Das problemlose Zusammenleben drückte sich nicht zuletzt darin aus, dass Juden auch in den Ortsvereinen aktiv waren. Mit ein Beleg dafür mag sein, dass der Männergesangverein Wasserliesch ein jüdisches Mitglied nach jahrzehntelanger Vereinszugehörigkeit sogar zum Ehrenmitglied ernannte und junge Jüdinnen anlässlich eines Vereinsfestes als „Ehrendamen“ verpflichtete. Die immer mehr aufkommende antijüdische Propaganda der Nationalsozialisten änderte an dieser Situation zunächst kaum etwas. Auch während der so genannten „Pogromnacht“ kam es in Wasserliesch noch nicht zu Ausschreitungen. Erst am 10. November 1938, dem Vormittag danach, sei, so die Berichte von Zeitzeugen, eine Gruppe “meist Ortsfremder” aufgetaucht – mit dabei waren angeblich „aufgeputschte 10 bis 12jährige Schulkinder“ unter der Führung eines Zollbeamten. Die Randalierer vertrieben die jüdischen Familien aus ihren Häusern und zerstörten oder beschädigten das Mobiliar, Fenster, Türen, Kleider und Lebensmittel. Es gab jedoch keine tätlichen Übergriffe gegen Personen. Einige mutige Bürger, meist Nachbarn, so wird berichtet, hätten durch ihr Eingreifen Schlimmeres verhindert. Dass Schulkinder in diesem Alter die Täter gewesen sein sollen, erscheint allerdings aus heutiger Sicht wenig glaubwürdig. Zweifellos sind es, wie anderswo auch, fanatisierte Anhänger der nazistischen Ideologie gewesen, ob auswärtige oder einheimische sei dahingestellt. Die vertriebenen Juden flohen und versteckten sich zunächst. Einem Juden gestatteten die Randalierer sogar, seine im Stall stehende Kuh mitzunehmen. Abends wurden die Betroffenen erst einmal von Nachbarn und anderen hilfsbereiten Ortsbewohnern aufgenommen, konnten aber am nächsten Tag unbehelligt in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Bei der notdürftigen Beseitigung der Schäden halfen Wasserliescher und Reiniger Bürger. Als man das einige Zeit später per Reichserlass auch offiziell gestattete, reparierte ein ortsansässiger Handwerksbetrieb die Schäden in einem Fall sogar unentgeltlich. Als man die Einwohner von Wasserliesch unmittelbar nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September des Jahres 1939 wegen der Nähe zu Frankreich evakuierte, brachte man alle Juden in die Stadt Trier und wies ihnen dort eine Unterkunft zu. Nach Rückkehr der Bewohner im Sommer 1940 durften die Juden ihre Häuser und Wohnungen jedoch nicht mehr in Besitz nehmen. In den Folgejahren erlitten alle Juden aus Wasserliesch das gleiche Schicksal wie Hunderttausende ihrer Glaubensgenossen. Zwischen 1943 und 1944 kamen 9 Personen in den Konzentrationslagern Auschwitz, Theresienstadt und Litzmannstadt um, darunter 7 Frauen und 2 Männer. Nur von einem ehemaligen jüdischen Mitbürger ist bekannt, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg, aus Israel kommend, nach Deutschland zurückkehrte und wieder im Raum Trier wohnte. Die Gebäude und Grundstücke der Juden von Wasserliesch wurden in den Nachkriegsjahren versteigert und von einheimischen Interessenten erworben.
Wasserliesch war lange ein „Eisenbahnerdorf"Um die nach dem Deutsch-Französischen Krieg zum neu gegründeten Deutschen Kaiserreich gehörende ostfranzösische Region Lothringen an das deutsche Eisenbahnnetz anzubinden, erhielt die Königliche Eisenbahndirektion Saarbrücken am 15. Februar 1871 den Auftrag zur Planung des ersten Teilabschnittes einer Eisenbahnlinie von Koblenz nach Metz. Sie sollte in Konz an die schon vorhandene Saarbahn von Saarbrücken nach Trier angebunden und von dort am rechten Moselufer entlang nach Diedenhofen, dem heutigen Thionville, weitergeführt werden. Es dauerte aber noch 4 Jahre, bis am 17. April 1875 in Wasserliesch und Reinig die Erdarbeiten zum Bau der so genannten „Obermoselbahn" begannen. Nach weiteren 3 Jahren, am 15. Mai 1878, wurde die Bahnstrecke ohne große Feierlichkeiten eröffnet, „obwohl in den Bahnhöfen und sonstigen Bahnlokalitäten noch manches unfertig" gewesen sei, so die damalige „Trierische Landszeitung".
Der Bau der Obermoselbahn brachte für Wasserliesch und Reinig aber auch buchstäblich „einschneidende" Veränderungen, denn die Bahntrasse teilte den Ort in zwei Hälften und schnitt den Zugang zu den bergseits gelegenen Grundstücken vollständig ab. Auf Gemeindegebiet mussten insgesamt 5 Möglichkeiten zum Über- oder Unterqueren der Bahn geschaffen werden. Von einem Bahnhof in Wasserliesch, einer „Station", wie man damals sagte, war anfangs keine Rede; sie wurde dem Ort rundweg verweigert. Proteste und Eingaben der Gemeinde ließen die Eisenbahndirektion aber später einlenken und Wasserliesch erhielt doch noch „seine" Station. Die nicht zuletzt von der Bahn selbst ungeliebten höhengleichen Bahnübergänge wurden später durch Brückenbauwerke ersetzt. In unserer damals überwiegend landwirtschaftlich geprägten Region mit einem sehr geringen Angebot an Arbeitsplätzen waren schon während der Bauzeit der Eisenbahnen in unmittelbarer Nähe zum Ort viele neue „Jobs" entstanden. So gesellten sich schon bald zu den herkömmlichen Erwerbstätigkeiten wie Bauer, Fischer, Schmied, Steinhauer, Maurer, Schreiner, Schuster oder Schneider eisenbahnspezifische Berufe wie Eisenbahnarbeiter, Eisenbahnschlosser, Eisenbahnschmied, Hilfsbremser, Hilfsrottenführer, Schaffner, Heizer, Lokführer, Weichensteller und viele andere. Die Arbeitsplätze bei der Bahn brachten den Bewohnern allmählich einen besseren Lebensstandard; wenn man arbeiten wollte, konnte man nun etwas „verdienen". Allein in Konz gab es nach dem Ersten Weltkrieg bei der Eisenbahn mehr als 3 100 Arbeitsplätze. Sie verteilten sich auf eine Vielzahl von Dienststellen, wie etwa auf den damaligen Rangierbahnhof Karthaus, in dem es auch ein Bahnbetriebswerk gab. Für die Unterhaltung und Reparatur der Fahrzeuge war zunächst die Hauptwerkstätte Konz zuständig, aus der später das Eisenbahn-Ausbesserungswerk Konz mit allein mehr als 1·000 Beschäftigten hervorging. Hinzu kamen personalintensive Dienststellen, wie Bahnmeistereien und Signalmeistereien, um nur die bedeutendsten zu nennen (mehr Infos).
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